Taufgedenken

Ein modernes Kunstwerk in der Dorfkirche Stolpe verbindet persönliche Tauferinnerung, Gemeinde und Hoffnung.

Taufgedenken in der Dorfkirche Stolpe
Dorfkirche Stolpe · seit 2014

Erinnerung, die über das eigene Leben hinausweist

Seit dem Sommer 2014 steht im Altarraum der Dorfkirche Stolpe eine ungewöhnliche Metallplastik. Auf zahlreichen kleinen Tafeln werden Namen und Taufdaten festgehalten. So verbindet das Kunstwerk die persönliche Erinnerung an die Taufe mit der Gemeinschaft der Getauften.

Auch Menschen, die von außerhalb kommen und in der Kirchengemeinde getauft werden, können in dieses Taufgedenken aufgenommen werden. Die Eintragung ist freiwillig.

Idee
Pastorin Renate Vogel
Entwurf
Christian Roehl
Vollendung
Rüdiger Roehl
Ort
Dorfkirche Stolpe
Die Idee

Ein Zeichen für Gegenwart und Zukunft

Die Dorfkirche war nach ihrer grundlegenden Renovierung 1972 über Jahrzehnte wieder um historische Ausstattungsstücke ergänzt worden. Dazu gehören unter anderem der Taufengel, ein Engelrelief, der Kronleuchter und die wieder geöffneten Fenster der Patronatsloge.

Am Ende ihrer Dienstzeit wollte Pastorin Renate Vogel dieser gewachsenen historischen Ausstattung bewusst ein Zeichen der Gegenwart gegenüberstellen. Ein Denkmal für die Namen der Neugetauften sollte sichtbar machen, dass die christliche Gemeinde nicht nur eine Geschichte hat, sondern immer wieder neu entsteht.

Die Zahl Acht

Ein altes Symbol der Taufe

Schon in der frühen Christenheit wurde die Zahl Acht mit der Taufe verbunden. Viele alte Taufkapellen und Taufanlagen wurden achteckig gestaltet. Die Acht verweist dabei auf einen Neubeginn, der über die sieben Tage der Schöpfung hinausführt.

Dieses Motiv prägt auch das Stolper Taufgedenken: Acht senkrechte Streben tragen symmetrisch angeordnete Tafeln. Die Anlage bietet zweimal 8 × 8 Plätze. Bei einer Jahrestafel pro Jahr reicht die Konzeption für mehr als ein Jahrhundert.

Entwurf & Vollendung

Das letzte größere Projekt Christian Roehls

Nach dem Tod von Renate Vogel nahm ihre Familie die Idee als Vermächtnis auf. Der Potsdamer Bildhauer und Metallgestalter Christian Roehl entwickelte daraus den Entwurf für das heutige Denkmal.

Während der letzten Arbeiten starb Christian Roehl am 4. April 2013 unerwartet. Seine Frau Alice Bahra und sein Bruder, der Metallbildhauer Rüdiger Roehl, sorgten dafür, dass das Werk kein Fragment blieb. Rüdiger Roehl vollendete es nach dem Entwurf seines Bruders. Ein Jahr später konnte das Taufgedenken in der Dorfkirche aufgestellt werden.

Gestaltung

Bewusster Kontrast im Kirchenraum

Das Denkmal besteht aus handgeschmiedetem, dunkel behandeltem Stahl. Die schlichte Materialität steht zunächst in deutlichem Kontrast zum geschnitzten Taufengel, zum Altar und zu den hellen historischen Ausstattungsstücken.

Bei näherem Hinsehen wirkt die Metallplastik jedoch erstaunlich lebendig: Die Streben verjüngen sich nach oben, die Tafeln können sich leicht drehen und Licht bringt die Oberfläche zum Funkeln. Zugleich nimmt die Gesamtform Höhenlinien und Proportionen des Kirchenraums auf.

Die beiden großen Tafeln

Worum es bei diesem Kunstwerk geht

Zwei größere Tafeln erklären Herkunft und geistlichen Sinn des Taufgedenkens.

Inschrifttafel zum Gedenken an Pastorin Renate Vogel
Erinnerung an Renate Vogel Die Tafel erinnert an Pastorin Renate Vogel und an ihren Wunsch, die Taufe als wirksame Gegenwart des Evangeliums sichtbar werden zu lassen.
Inschrifttafel zur Entstehung des Taufgedenkens
Christian und Rüdiger Roehl Die zweite Tafel hält fest, dass Christian Roehl das Werk entwarf und begann und sein Bruder Rüdiger Roehl es nach dessen Tod vollendete.
Deutung

Baum, Himmelsleiter, Epitaph – und vor allem Tauferinnerung

Ein wachsender Baum

Manche sehen in der offenen Form einen Baum, dessen Früchte sich dem Licht entgegenstrecken. Mit jedem neuen Taufjahrgang wächst die sichtbare Erinnerung weiter.

Eine Bewegung nach oben

Andere erinnert die gestufte Form an eine Himmelsleiter oder einen Aufstieg. Die Blickrichtung führt vom Boden nach oben und verbindet damit Zeit und Ewigkeit.

Ein Denkmal für Lebende

Die Silhouette kann auch an ein Epitaph erinnern. Anders als klassische Totengedenktafeln bewahrt dieses Denkmal jedoch zuerst die Namen lebender Getaufter.

Teil der Gemeinschaft

Die einzelnen Namen sind lesbar, treten aber zugleich in die wachsende Menge aller Namen ein. So wird sichtbar, dass Taufe nicht nur etwas Persönliches ist, sondern Menschen in die Gemeinschaft der Christen einbindet.

Lebendige Erinnerung

Die eigene Taufe neu in den Blick nehmen

Das Taufgedenken will nicht nur dokumentieren. Es lädt dazu ein, über die eigene Taufe und die Taufe anderer nachzudenken. Namen und Daten markieren einen konkreten Anfang im Leben eines Menschen; ihre lange Bewahrung weist zugleich über die begrenzte Lebenszeit hinaus.

Die christliche Taufe verbindet über einzelne Gemeinden und Konfessionen hinweg. Das Denkmal macht deshalb auch sichtbar, dass die Gemeinschaft der Getauften größer ist als die eigene Kirchengemeinde.

Die historische Beschreibung des Taufgedenkens geht auf einen Text von Traugott Vogel zurück.